Von 1 auf 7.000 – in wenigen Minuten

Was die Versteigerung von Yoko Onos Werk und 44 weiterer für die Bielefelder Bürgerstiftung eingebracht hat

Bielefeld. Achim Fiolka zieht den Kürzeren. Ganz Gentleman gratuliert der Bielefelder Gastronom seiner Kontrahentin Cornelia Burbach herzlich. Sie hat die Nase vorn in einem Wettstreit, der im "Glückundseligkeit" für schwitzige Hände, steigenden Puls und tosenden Applaus gesorgt hat. "Conny hat es verdient", sagt Fiolka als fairer Verlierer. Was sich die Chefin einer Personalagentur verdient hat und was sie ihrerseits dafür geben muss, das erleben mehr als 350 Besucher der Kunst-Auktion des Round Table 17 am Samstagabend mit.

Dabei fängt alles noch relativ harmlos an. Auktionator Christian W. Jennes erklärt Regeln und Pflichten der achten Aktion des Round Table 17, bei der 45 Werke regionaler und internationaler Künstler aufgerufen werden. Darunter ist, wie berichtet, ein Werk der Künstlerin und John-Lennon-Witwe Yoko Ono. Pflichten der Bieter sind "deutliche Handzeichen", zur Regel macht Jennes, dass er auch Nicken und "Kratzen am Kopf" als Gebot entgegen nimmt. Zu diesem Zeitpunkt sorgt das noch für Gelächter. Marcel Lossie als einer der Organisatoren hat zuvor jeden Gast begrüßt, den Ankömmlingen eine Übersicht der Werke in der Abfolge der Versteigerung in die Hand gedrückt. Letzte Seite, Nummer 45: Yoko Onos "I Love You".

Der Auktionator hat sich schnell warm geredet, den Hammer mehrfach mit sattem Rumms aufs Pult krachen lassen, weil er einen Zuschlag erteilt hat. Die Mindestgebote reichen von 1 bis 8.000 Euro. Klar, dass es bei den Werken ab 1 Euro etwas flotter zur Sache geht.

Und doch erscheint all das wie Geplänkel, als sich Christian W. Jennes um kurz nach acht vernehmlich räuspert. Jetzt wird es ernst, es ist Zeit für Yoko Ono. In Sekundenschnelle sind aus einem Euro 20, 40, 70, 100 geworden. Jennes rechter Arm schnellt nach vorn, nach links, nach rechts. "800 – zu meiner linken, vielen Dank." Auf der Bühne rufen ihm Assistenten Gebote zu, jeder versucht, den anderen zu übertönen, zeigt, wedelt mit dem Arm. Der Sprung in die 1.000er ist längst erreicht.

Gemurmel im Publikum, zischende Atemgeräusche, Zwischenapplaus. Ab 5.200 Euro wird es ruhiger, der Blick des Auktionators wandert nur noch zwischen Cornelia Burbach in der dritten Reihe und Achim Fiolka hinterm Tresen hin und her. Ab 6.050 Euro fängt er an zu sticheln: "Da wir die Schmerzgrenze hinter uns haben, geht es doch ganz leicht." Fiolka seufzt. "Ja, los." Burbach kontert mit Handzeichen. Ohne Seufzen. Und bleibt bei 7.000 Euro Siegerin. Eine glückliche. Über dieses Unikat von Yoko Ono "freue ich mich sehr". Fiolka ist nicht ganz Verlierer, das Werk soll auch mal in seinem Restaurant ausgestellt werden. Als Leihgabe der Geschäftsfrau. Zeitweise.

Damit endet die bislang erfolgreichste Auktion des Round Table. Mehr als die Hälfte des Erlöses geht an "Kein Schulkind ohne Mittagessen" der Bielefelder Bürgerstiftung. Das sind 12.500 Euro – mindestens. "Es gibt noch Verkaufsgespräche für einige Werke, die nicht versteigert wurden", erklärt Marcel Lossie. Er selbst musste bei Yoko Ono aussteigen. Den Zuschlag bekam er bei einem Werk von Heidi Lämmchen.